Stunde der Wintervögel
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.01.2026 08:13
479 Vogelfreunde haben jetzt in Siegen-Wittgenstein Wintervögel gezählt.
Die Ergebnisse der diesjährigen NABU-Wintervogelzählung stehen fest: Bundesweit führt der Haussperling zwar weiterhin die Liste der häufigsten Wintervögel in unseren Gärten und Parks an. Allerdings mit Verlusten im Vergleich zum Vorjahr. In Siegen-Wittgenstein sind die Top 3 Kohlmeise, Blaumeise und Amsel. Hier bei uns wurden in 362 Gärten 11.956 Vögel gezählt. 479 Vogelfreunde haben ihre Beobachtungen weitergemeldet.
Den deutlichen Rückgang des Haussperlings in der aktuellen Auswertung nennt der NABU erschreckend: Im Vergleich zum Vorjahr wurden bundesweit 15 Prozent weniger Haussperlinge in unseren Gärten beobachtet, in NRW waren es sogar 26 Prozent weniger. D.h. nur in 40 Prozent der nordrhein-westfälischen Gärten wird der Haussperling überhaupt noch gesichtet und dort auch nur noch mit durchschnittlich drei Exemplaren. Zu seiner besten Zeit 2021/2022 waren es noch 5 Exemplare in jedem zweiten Garten. „In den städtischen Ballungsräumen hierzulande wurde er dabei schon immer seltener beobachtet als im Umland. Dass die Sichtungen nun auch in der Fläche einbrechen, macht uns große Sorgen“, erklärt Christian Chwallek, Vogelexperte beim NABU NRW.
Freude über Wintergoldhähnchen
Für Begeisterung sorgten bei dieser „Stunde der Wintervögel“ dagegen die gestiegenen Beobachtungen des Wintergoldhähnchens. „Der kleinste Vogel Europas lebt in Nadel- und Mischwäldern. Er bleibt im Winter hier und ist bei kalter Witterung und geringem Futterangebot gerne häufiger in Gärten und Parks unterwegs. Das erklärt die besonders stark gestiegenen Meldungen aus waldreichen Kreisen wie Olpe, dem Oberbergischen Kreis oder dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Möglicherweise gab es auch Verstärkung durch den Zuzug von Wintergästen aus dem Nordosten“, erklärt Chwallek.
Buntspecht und Schwanzmeise sind häufig
Bei den typischen Wintergästen am Futterhäuschen ergibt sich kein eindeutiges Bild: Während Buntspecht, Schwanzmeise und Kleiber häufig gesichtet wurden, blieben sonst häufige Gäste wie Gimpel und Kernbeißer, aber auch Erlenzeisige und Bergfinken eher eine Rarität an nordrhein-westfälischen Futterhäuschen. Chwallek: „Das spricht trotz widriger Witterungsbedingungen am Zählwochenende für eine ausreichende Futterlage in den natürlichen Lebensräumen. Aus demselben Grund ist wohl auch der Zuzug von Erlenzeisigen und Bergfinken bis nach Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr ausgeblieben. Ganz im Gegensatz zu den nordischen Drosselarten wie Rot- und Wacholderdrossel, die dieses Jahr landesweit deutlich häufiger beobachtet werden konnten.
Kontinuierliche Abnahme
Ist der Rückgang einzelner Arten schon erschreckend genug, noch mehr Sorge bereitet Vogelfreunden und -freundinnen der seit Jahren beobachtete Rückgang der durchschnittlich pro Garten beobachteten Vögel. Wurden zu Beginn der Zählaktion im Durchschnitt um die 40 Vögel pro Garten in Nordrhein-Westfalen gezählt, finden sich dort heute noch knapp 30 wieder – die niedrigste Zahl seit 16 Jahren.
„Die kontinuierliche Abnahme der Vögel pro Garten zeigt deutlich, dass unsere Vogelwelt unter Druck steht. Krankheiten, intensive Flächennutzung und der Verlust von Lebensräumen setzen den Vögeln zu“, so NABU-Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer. Als Bioindikatoren spiegeln Vögel den für die Artenvielfalt zumeist negativen Wandel der Natur wider. Natürlich könnten sie ebenso Erfolge von Lebensraumaufwertungen belegen. „Dazu wäre allerdings erforderlich, dass alle notwendigen und bewährten Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität endlich im großen Maßstab umgesetzt werden“, so Naderer weiter.