Windräder rund um Obernau-Talsperre geplant
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.01.2026 05:30
Windräder rund um die Obernau-Talsperre? Die Pläne sorgen für Widerstand in Netphen. Heute Abend (Donnerstag, 22.01.) gibt’s eine Info-Veranstaltung in der Siegerlandhalle.
Rund um die Obernau-Talsperre in Netphen könnten bald zwölf Windräder entstehen. Die Pläne der Wittgenstein-Gruppe aus Bad Laasphe sorgen für große Diskussionen und Widerstand in der Region. Besonders die Trinkwasserqualität im Siegerland steht im Fokus der Kritik. Netphens Bürgermeister Marco Müller (CDU) äußerte im Gespräch mit Radio Siegen Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung. Über 80 schriftliche Beschwerden seien bereits im Rathaus eingegangen. Auch eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, um gegen die Windkraftpläne vorzugehen.
Die Obernau-Talsperre ist eine zentrale Trinkwasserquelle für das Siegerland. Viele Bürgerinnen und Bürger befürchten, dass der Bau der Windräder die Qualität des Trinkwassers gefährden könnte. Diese Sorgen seien nicht unbegründet, so Müller. Denn bisher wurden zahlreiche Aktivitäten wie Tretbootfahren oder touristische Projekte rund um die Talsperre aus Gründen des Trinkwasserschutzes untersagt. Dass nun Windräder gebaut werden könnten, wirkt auf viele unfair.
Entscheidung im März
Die Genehmigung der Windräder liegt beim Kreis Siegen-Wittgenstein in der Abteilung von Umweltdezernent Arno Wied. Wied betonte bei einem Pressegespräch, dass die Hürden für den Bau rund um die Obernau-Talsperre besonders hoch sind – vor allem wegen des Trinkwasserschutzes. Die Wittgenstein-Gruppe hat Gutachten vorgelegt, die belegen sollen, dass keine Gefahr für das Trinkwasser besteht. Diese Gutachten werden derzeit geprüft. Eine endgültige Entscheidung, ob die Windräder gebaut werden dürfen oder nicht, wird im März 2026 erwartet.
Wied sagt uns, dass seine Behörde sauber arbeitet und alle Gutachten intensiv prüft. Man habe kein Interesse daran, sich Entscheidungen leicht zu machen. Denn am Ende würden die meisten Entscheidungen eh vor Gericht landen - entweder, weil das Windradunternehmen mit einem "Nein" zu seinen Plänen nicht zufrieden ist, oder, weil Verbände und Bürgerinitiativen nicht mit einem "Ja" zu den Plänen nicht zufrieden sind.
Der Ausbau erneuerbarer Energien hat in Deutschland und NRW höchste Priorität. Die Gesetzeslage wurde in den letzten Jahren entsprechend angepasst, sodass auch an sensiblen Stellen gebaut werden darf – vorausgesetzt, es bestehen keine Gesundheitsgefahren. Die geplanten Windräder dürfen weder zu laut sein, noch zu viel Schatten werfen, und sie dürfen keine negativen Auswirkungen auf das Trinkwasser haben. Erst wenn all diese Auflagen erfüllt sind, kann eine Genehmigung erteilt werden.
Info-Veranstaltung
Heute Abend (Donnerstag, 22.01., 18:00 Uhr) lädt die Wittgenstein-Gruppe zu einer Info-Veranstaltung in die Siegerlandhalle in Siegen ein. Hier können Bürgerinnen und Bürger ihre Sorgen und Ängste äußern. Netphens Bürgermeister Marco Müller zeigt im Gespräch mit uns Verständnis für die Bedenken in der Bevölkerung. Er betonte, dass die Trinkwasserqualität für die Region von zentraler Bedeutung sei und dass die Prüfung der Gutachten mit größter Sorgfalt erfolgen müsse.